>> Plopp << Das Leben mit iPhone, 3 Laptops, Skype und Facebook- „Verenas Kommunikations-Suppe (5)“

Verena Wahlandt Kommunikations-Suppe / Foto: Brigitte Gaggl“I’m just a simple girl in a hightech digital world…”
Wie wahr, wie wahr, denke ich mir, wenn ich die ersten Zeilen dieses Songs der amerikanischen Sängerin Jewel höre. Ich bin ein einfaches Mädchen, aufgewachsen in einer Kleinstadt, fernab vom Glitter und Glanz der Hauptstadt. Warum es mich dennoch hierhergezogen hat, weiß ich nicht, ich weiß nur eines: alles ist anderes und wird nie mehr so sein, wie es mal war.
Aber die positiven Seiten zuerst: Ich gehöre der Generation an, die die digitale Revolution quasi hautnah miterlebt hat und so werde ich mir bestimmt sehr lange den Respekt vor den neuen technischen Errungenschaften bewahren. So wie es bei unseren Großeltern am ehesten das Auto und bei den Eltern dann der (Farb-)Fernseher war, wird die mediale Revolution der heutigen Zeit vor allem von zwei Schlagwörtern domoniert: Social Networks.

Vor 10 Jahren noch, kann ich mich erinnern, besaß das einfache Mädchen weder ein Handy noch hatte es von zuhause aus Zugang zum Internet. Wenn ich die aktuelle Situation mal beschreiben darf: 3 Handys, darunter natürlich ein Iphone, 3 Laptops, darunter natürlich ein MacBook, Skype und Facebook sind im online-Dauermodus geöffnet. Warum das so ist? Kann ich erklären: vergesst den Fernseher, vergesst die Zeitungen, heutzutage spielt sich das wahre Leben auf Facebook ab. Wo kann man bitte sonst im Simultanverfahren hunderte Freunde beim Alltagsleben beobachten? Ist das nicht genial? Wer braucht schon Überwachungskameras, Wanzen oder Diktiergeräte? Die Leute verbreiten ihre Taten und Absichten freiwillig! Honecker würde sich im Grabe umdrehen, allerdings vor Freude. Natürlich birgt diese Technik viele Vorteile für ein Mädchen wie mich, so finde ich doch in jeder Minute meines Alltages zumindest eine Beschäftigung.

Kommunikationssuppe / Foto: Corrina Teuschl
What to do with Facebook?

Facebook unterhält mich, belehrt mich, ja es zeigt mir sogar, was bestimmte Personen getan haben, ohne mühsame Nachforschungen erstellen zu müssen. Früher wurde ich oftmals von typischen Teenagerängsten wie Alleinsein oder Langeweile geplagt- doch heute: sind diese Ängste verschwunden! Durch Facebook bin ich nie allein, denn irgendjemand ist immer online und irgendjemand schafft es immer, mich zu unterhalten. Facebook ist in der Lage, sämtliche Psychiater und Privatdetektive in die Arbeitslosigkeit zu katapultieren, dessen bin ich mir sicher. Ich stelle gerade fest, dass ich heute noch keine Satusmeldung gepostet habe. Ja ihr wisst schon, der Facebookstatus ist der neue Status. Ist doch vollkommen unbedenklich, alle paar Stunden die Freunde upzudaten, oder? Ich meine, das bin ich ihnen schuldig, sie machen es ja auch. Wisst ihr, ich bin nicht süchtig nach Facebook, ich benutze es nur gelegentlich. So wie gestern, als ich mitten in der Nacht schweißgebadet aufgewacht bin und das erste, wonach sich mein schlaftrunkenes Ich sehnte, war der Kontakt zu meinen “Freunden”. Ist doch völlig normal. Also griff ich nach meinem Iphone und sah mir in aller Ruhe die neuesten Updates an. Gut, viel hab ich nicht versäumt…ach Mist – genau diese Party und…verdammt, diese Einladung hätte ich annehmen sollen, ach ich hätte nicht schlafen sollen…und schreiben soll ich auch nicht, denn das ist alles Raub an der wertvollen Zeit, die ich online sein könnte. Und überhaupt muss ich jetzt überlegen, welchen Status ich poste, denn 300 FreundInnen warten ja schließlich darauf, das weiß ich! O mein Gott, es chatten mich schon 10 Leute an, wah, was war das? Ah, auf Skype auch- ich habe einen derartigen Respekt vor den Benachrichtigungsgeräuschen, dass ich jedesmal fühle, wie mein Herz beim Vernehmen des typischen “Plopps” vor Freude hüpft. Wie konnte ich nur die letzte halbe Stunde schreiben, ohne auf Facebook zu schauen?!!??

Nein, einfach ist heute gar nichts mehr und ich bin völlig normal!

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Zur Autorin
Die 24-jährige Verena Wahlandt machte in ihrem noch jungem Leben schon viele Erfahrungen mit der Medienbranche. Nach ihrem Maturaabschluss ging die gebürtige Oberösterreicherin aus Steyr nach Wien und begann an der Uni Wien  2005 Theater-, Film- und Medienwissenschaften zu studieren. Währendessen lernte sie auch Schauspielen bei Barbara May an der 1st filmacademy. Seit März 2009 ist die vielseitige Journalistin unter anderem auch als Sängerin und als Society-Redakteurin bei einem Wiener Radiosender tätig.
Seit Herbst 2010 schreibt das Medientalent Verena Wahlandt exklusiv in regelmäßigen Abständen die Kolumne “Verenas Kommunikations-Suppe” für Medieninsider.at.

Fotocredits:
Foto “Kommunikationssuppe”: (C) Corina Teuschl
Foto Autorin Verena Wahlandt: (C) Brigitte Gaggl

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