– European Youth Media Days 2012 –
Diese Frage stellten sich rund 100 Jungjournalisten aus rund 30 Ländern in der vergangenen Woche bei den „European Youth Media Days“ im EU-Parlament in Brüssel. Bei der Debatte „Die Rolle der Medien, die Krise zu erklären“ waren zahlreiche namhafte EU-Korrespondeten am Podium, die sich in einer Sache einig waren: mediale Berichterstattung über die Krise ist ein essentieller Bestandteil der Meinungsbildung der Bürger, denn Verständnis und Misverständnis der aktuellen Situation liegen hier sehr nah bei einander. Chefredakteur Nikolai Atefie war in Brüssel vor Ort – ein Bericht.
Für die Generaldirektorin der Kommunikationsabteilung des EU-Parlaments, Juana Lahousse-Juárez, ist beider Eröffnung der Veranstaltung klar: „Medien sind Hilfswerkzeuge (Tools) um unsere positive EU-Nachricht zu verbeiten. Junge Journalisten sollten an Board kommen und unsere Partner sein.“ Eine Meinung, die die freie schwedische Journalistin Teresa Küchler (arbeitet u.a. für das „Svenska Dagbladet“) überhaupt nicht teilen kann: „Mein Job ist nicht irgendein Tool der Europäischen Union zu sein und deren positive Nachrichten zu publizieren. Mein Job ist es kritisch zu sein!“
Angeknüpft an diese Statements frage ich die Bloomberg News Reporterin Rebecca Christie, wie es denn möglich sei, als Journalistin für die Firma eines Spitzenpolitikers (Anm. der Medienkonzern gehört großteils dem amtierenden Bürgermeister von New York City Michael Bloomberg). Sie konnte nur auf die redaktionelle Unabhängigkeit verweisen und sagte, dass Bloomberg lediglich die Schecks kassiere. Auch Küchler erzählt von ähnlichen Zuständen, nämlich, dass der Inhaber ihres arbeitsgebenden Mediums ein Ölscheich ist und dennoch eine sehr kritische Umweltberichterstattung im Blatt zu finden sei. Der Korrespondent des „Daily Telegraph“ Bruno Waterfield ergänzt (energisch), dass die Menschen sofort aufhören würden ein Medium zu konsumieren, wenn sie merken, dass man versucht sie zu beeinflussen: „(…) and this is it. Good night.“

„Medien könnten konstruktiver sein und damit mehr tun um die Leute mit Nachrichten zu bilden,“ sagt die griechische Journalistin Martina Stevis, die für das US-Amerikanische Verlagshaus Dow Jones & Company („Wall Street Journal“) arbeitet, eine Tochtergessellschaft der Newscorp von Rupert Murdoch. Institutionen geben viel Geld aus um ihre geschönten Nachrichten zu kommunizieren und „unser Ziel ist es die Sprache der europäischen Autoritäten so zu übersetzen, dass wir unseren Lesern die Konsequenzen von all dem erklären können: wer gewinnt, wer verliert,“ führt der Brüssel-Korrspondent der britischen Zeitung „Daily Telegraph“ weiter aus.
Die European Youth Media Days 2012
Gemeinsam mit Experten erarbeiteten rund 100 Jungjournalisten aus 25 EU-Ländern und den Balkanstaaten an drei Tagen in Workshop-Gruppen im Bereiche TV, Radio, Print und Multimedia professionellen Content zum Thema EU, diskutierten in hochkarätig besetzten Podiusmdiskussion mit und netzwerkten bei den Side-Events. Die European Youth Media Days wurden von der Europäischen Jugendpresse und dem EU-Parlament veranstaltet, welches in Vertretung von Ioannis Darmis, Head of Media Services & Monitoring Unit, versprach auch 2013 wieder mit an Bord zu sein. Die Kosten für die Teilnahme, Unterkunft und Reise wurden von der Europäischen Union für deren Staatsbürger übernommen.
Österreichische Beteiligung
Bei den European Youth Media Days waren neben Medieninsider.at-Chefredakteur Nikolai Atefie (mit 18 Jahren der jüngste Teilnehmer) auch zwei weitere österreichische Jungjournalisten vertreten. Mara Simperler (24) ist freie Journalistin (u.a. beim Magazin „2012“ des Red Bull Media House) und schreibt derzeit ihre Diplomarbeit in Internationaler Entwicklung. Elisabeth Postl (19) ist Studentin an der FH Wien im Lehrgang für Journalismus & Medienmanagement und arbeite derzeit beim ORF in der Fernseh-Diskussionsredaktion. ORF Brüssel-Korrespondent Raimund Löw war Gastredner im Print-Workshop.

Eine Antwort auf die Frage „Stehen wir alleine besser da?“ („Divided we stand?“) im Kontext zum drohenden Zerfall der EU konnte von niemand seriös gegeben werden. Die Zukunft wird zeigen ob und in welcher Form die Europäische Union weiter bestehen wird und die Jungjournalisten Europas werden darüber berichten.
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